Ein ruhiger Sommerabend am Untersee

Petition an den Stadtrat Steckborn: Verzicht auf das Grossfeuerwerk über dem Untersee. Für die Wasservögel, für die Anwohnerinnen und Anwohner, für den See.

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Worum es geht

Steckborn liegt an einem der wertvollsten Vogelgebiete der Schweiz. Über dem Untersee wird trotzdem regelmässig ein Grossfeuerwerk abgebrannt — zuletzt am Sommernachtsfest, das ausdrücklich mit dem «grössten Feuerwerk am Untersee» wirbt.

Diese Petition verlangt keinen Verzicht auf das Fest. Sie verlangt, dass das Fest ohne Grossfeuerwerk über dem See auskommt. Drei Gründe sprechen dafür, und alle drei sind belegt.

Wildtiere und Vögel

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach dokumentiert für ein Naturschutzgebiet: Ein Feuerwerk von acht Minuten vertrieb umgehend rund 95 Prozent der anwesenden 4000 Wasservögel — und zwar für mehrere Tage.1

Die Vogelwarte zieht daraus eine klare Empfehlung: «Aus Vogelschutzgründen sollte auf Feuerwerke im Umkreis von mehreren Kilometern um Feuchtgebiete mit grossen Vogelbeständen gänzlich verzichtet werden.»1 Steckborn liegt an einem solchen Feuchtgebiet.

Die Störung ist nicht mit dem letzten Knall vorbei. Eine Untersuchung an 347 besenderten Wildgänsen zeigt: In der Silvesternacht flogen die Tiere 5 bis 16 Kilometer weiter und 40 bis 150 Meter höher als in Vergleichsnächten. Der Mehrverbrauch betrug 1 bis 10 Prozent des Tagesenergiebedarfs, und die erhöhte Nahrungssuche hielt über den gesamten Beobachtungszeitraum von elf Tagen an.2

Auch die Haustiere im Dorf sind betroffen. Eine Studie der Vetsuisse-Fakultät Bern an 1225 Hunden ergab: 52 Prozent zeigen Angst vor Feuerwerk.3

Belege, verifiziert am 23.08.2026:

  1. Schweizerische Vogelwarte Sempach, «Fatale Feuerwerke», Dezember 2022. vogelwarte.ch
  2. Kölzsch, A. et al. (2022): Wild goose chase — Geese flee high and far, and with aftereffects from New Year’s fireworks. Conservation Letters 16(1), e12927. doi.org/10.1111/conl.12927
  3. Riemer, S. (2019): Not a one-way road — Severity, progression and prevention of firework fears in dogs. PLOS ONE 14(9), e0218150. doi.org/10.1371/journal.pone.0218150

Feinstaub und Metalle

Das Bundesamt für Umwelt rechnet für die Schweiz mit 1000 bis 2000 Tonnen Feuerwerkskörpern pro Jahr. Beim Abbrennen entstehen daraus 200 bis 400 Tonnen Feinstaub — im Durchschnitt 2 bis 3 Prozent der gesamten jährlichen Feinstaubemissionen des Landes.1

Entscheidend ist die Konzentration im Moment. Der Tagesmittelgrenzwert für PM10 liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. An Tagen um den 1. August, an denen dieser Wert überschritten wurde, lag er im Median bei 53 bis 56 Mikrogramm; die Erhöhung gegenüber den Vortagen betrug rund 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.2 Bei windstillen Sommerabenden über einer Wasserfläche bleibt der Rauch besonders lange stehen.

Die Farben stammen aus Metallverbindungen: Barium für Grün, Strontium für Rot, Kupfer für Blau.2 Blei ist in der Schweiz für Feuerwerkskörper gesetzlich verboten. Bei einer Marktkontrolle von 47 Produkten wurde es trotzdem in 15 davon nachgewiesen.2

Was in der Luft war, bleibt nicht in der Luft. Das Bundesamt für Umwelt hält fest: Der Feinstaub gelangt als Niederschlag auch in Böden und Gewässer.1

Belege, verifiziert am 23.08.2026:

  1. Bundesamt für Umwelt BAFU, «Feuerwerke und Umweltbelastung», veröffentlicht 27.07.2026. bafu.admin.ch
  2. Bundesamt für Umwelt BAFU, «Feuerwerkskörper — Umweltauswirkungen und Sicherheitsaspekte», Umwelt-Wissen Nr. 1423, Bern 2014. PDF, BAFU

Der Untersee ist geschützt

Steckborn ist Teil des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, Objekt 1411 «Untersee – Hochrhein». Eines der amtlichen Schutzziele lautet wörtlich: «Die Lebensraumqualitäten, insbesondere die Ruhe, als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasser- und Zugvögel erhalten.»1

Das ist keine Formulierung am Rand. Die nationale Bedeutung des Objekts wird ausdrücklich damit begründet, dass es ein «bedeutendes Brut-, Überwinterungs- und Rastgebiet für Wasser- und Zugvögel» ist.1 Am Bodensee überwintern regelmässig über 200 000 Wasservögel.2

Wie empfindlich dieses Gleichgewicht ist, zeigt das benachbarte Vogelreservat Stein am Rhein. Dort überwinterten in den 1970er- bis 1990er-Jahren regelmässig über 25 000 Wasservögel, im Dezember 1983 sogar über 75 000. In den Wintern 2016/17 und 2017/18 waren es nur noch rund 7000. Als Hauptursache nennt die Vogelwarte massiv zunehmende Störungen durch Freizeitnutzung; das Nahrungsangebot hat sich nicht wesentlich verschlechtert.2

Zur Genauigkeit: Diese Studie untersucht Feuerwerk nicht und schreibt ihm den Rückgang auch nicht zu. Sie zeigt, wie stark Wasservögel an diesem See auf Störungen reagieren — und Feuerwerk ist die stärkste Störung, die ein Ufer an einem Abend erlebt.

Belege, verifiziert am 23.08.2026:

  1. BAFU, Objektblatt BLN 1411 «Untersee – Hochrhein», Revision 2017. Steckborn ist unter den aufgeführten Thurgauer Gemeinden. PDF, BAFU
  2. Strebel, N., Weibel, U. & Werner, S. (2020): Massive Abnahme der Wintergäste im international bedeutenden Wasser- und Zugvogelreservat Stein am Rhein. Schweizerische Vogelwarte Sempach. PDF, Vogelwarte

Was wir verlangen

Die Petition ersucht den Stadtrat Steckborn, auf Grossfeuerwerke über dem Untersee zu verzichten und bei Festen auf Alternativen ohne Knall und ohne Rauch zu setzen. Lichtinstallationen, Drohnenshows und Musik erreichen die gleiche Wirkung, ohne ein Schutzgebiet zu belasten.

Am 29. November 2026 stimmt die Schweiz über die eidgenössische Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» ab.1 Diese Petition ist davon unabhängig und richtet sich allein an den Stadtrat Steckborn. Sie ist keine Kampagne des nationalen Initiativkomitees.

Belege, verifiziert am 23.08.2026:

  1. Bundeskanzlei, Abstimmungsvorlagen vom 29. November 2026. admin.ch